Diabetes mellitus

Was ist Diabetes mellitus

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, der eine Störung der Blutzuckerregulation zu Grunde liegt.

Unser Organismus benötigt ständig Energie. Wir führen sie ihm durch unsere tägliche Nahrung zu. Magen und Darm teilen sie in kleine Einzelbausteine. Zuckerstoffe und Kohlenhydrate wie sie in Obst, Brot, Kartoffeln, Nudeln, Milch und anderen Lebensmitteln vorhanden sind, werden in Traubenzucker (Glukose) umgewandelt. Über die Darmwand gelangt er ins Blut und wird von dort zu den Organen und Körperzellen transportiert. Damit er jedoch in die Köperzellen eindringen kann, braucht er Insulin. Wie ein „Schlüssel“ öffnet es ihm die jeweilige Zelle. Außerdem sorgt Insulin dafür, dass nicht benötigter Traubenzucker in Muskeln und Leber gespeichert beziehungsweise in Fett umgewandelt werden kann.

Produziert wird das lebenswichtige Hormon Insulin von den B-Zellen der Bauchspeicheldrüse.

Bei Menschen, die unter Diabetes mellitus leiden, ist die Versorgung des Körpers mit Insulin gestört.

Diabetes mellitus wird in zwei Hauptgruppen unterschieden:

Beim Typ-1-Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse immer weniger Insulin. Mitunter kommt es zur völligen Zerstörung der Insulin produzierenden Zellen. Beim Typ-2-Diabetes dagegen ist genügend Insulin im Blutkreislauf. Aber die Körperzellen sprechen nicht mehr auf das produzierte Insulin an. Sie sind sozusagen resistent geworden.

Daneben gibt es noch eine dritte Gruppe, in der alle anderen spezifischen Typen zusammengefasst werden, wie ererbte Schädigungen der B-Zellen oder Krankheiten der Bauchspeicheldrüse oder Funktionsstörungen durch Drogen und so weiter. Hinzu kommt zudem der Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes), der mittlerweile als vierte Gruppe der Erkrankungsformen gilt.

Die Folgen bei allen Diabetestypen sind jedoch die selben: Die Betroffenen leiden unter einem erhöhten Blutzuckerspiegel.
 
 

Symptome

Zunächst einmal: Diabetes-Typ-2 entwickelt sich eher schleichend und im Verborgenen. Es dauert, bis der Betroffene merkt, dass etwas nicht stimmt. Manche Diabetiker spüren sogar keine der typischen Beschwerden. Kein Wunder: Bei Typ-2-Diabetes ist die Grenze zwischen noch gesund und schon krank fließend. Stellen sich erste Anzeichen einer Erkrankung ein, so werden sie gern anderweitig erklärt.

Bei Typ-1-Diabetes sind die Symptome dagegen in der Regel deutlicher ausgeprägt.

Ein typisches Warnzeichen für Diabetes ist ein starkes Durstgefühl. Das liegt daran, dass bei einem sehr hohen Blutzuckerspiegel die Nierenschwelle überschritten wird: Der Zucker überfordert die Nierenfilter, so dass er nicht mehr im Körper gehalten wird, sondern über den Urin ausgeschieden werden muss. Damit dies geschehen kann, benötigt der Körper viel Flüssigkeit. Der Patient muss nicht nur häufig zur Toilette (Polyurie). Er muss die verlorene Flüssigkeit auch ersetzen, das signalisiert ihm das Durstgefühl (Polydipsie).

Doch der Körper des Diabetes-Patienten verliert nicht nur viel Wasser. Er baut außerdem Eiweiß- und Fettreserven ab. Dies führt zu einem deutlichen Gewichtsverlust innerhalb relativ kurzer Zeit. Die Haut beginnt ohne erkennbaren Grund zu jucken. Wunden heilen schlecht ab, die körpereigene Abwehr ist geschwächt, so dass die Infektanfälligkeit zunimmt. Der Betroffene fühlt sich müde und abgeschlagen und mitunter stellen sich sogar Sehstörungen ein.
 
 

Ursachen

Die Ursachen eines Diabetes mellitus sind je nach Erkrankungstyp ganz unterschiedlich. Beim Typ-2-Diabetes spielt die erbliche Veranlagung eine deutlich sichtbare Rolle. So müssen Menschen, deren Eltern beide Typ-2-Diabetiker sind, mit einem Risiko von 60 Prozent rechnen, ebenfalls an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Ist ein Elternteil Typ-2-Diabetiker, sinkt die Wahrscheinlichkeit auf immerhin noch satte 40 Prozent.

Aber die Gene alleine sind noch lange nicht Schuld an allem. Damit ein Diabetes-Typ-2 zum Ausbruch kommt, braucht es noch weitere Faktoren. Hierzu zählen Dinge wie Übergewicht, Bewegungsmangel, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte. Kommt bei einem Patienten dies alles zusammen, spricht man von einem metabolischen Syndrom.

Seit neuestem wird auch die Beteiligung eines Hormons an der Entstehung von Diabetes diskutiert. Es heißt Resistin und wurde erst kürzlich entdeckt. Es fördert nicht nur die Speicherung von Fett in den Körperzellen, sondern sorgt außerdem dafür, dass die Körperzellen nicht mehr so empfindlich auf das Insulin reagieren. An diesem Punkt greift auch eine neue Generation von Medikamenten an.

Auch an der Suche nach den Ursachen von Typ-1-Diabetes wird kräftig gearbeitet. Die Vererbung spielt nach bisherigen Erkenntnissen — anders als bei Typ-2-Diabetes — eine eher untergeordnete Rolle: Eine gewisse Veranlagung kann von den Eltern an die Kinder weitergegeben werden. Damit es zum Ausbruch der Erkrankung kommt, müssen jedoch eine Reihe anderer Faktoren hinzu kommen. Die Suche nach ihnen ist derzeit der Grund für viele wissenschaftliche Untersuchungen.

Sicher scheint derzeit ein Zusammenhang zwischen Typ-1-Diabetes und einer Virusinfektion zu sein. Wissenschaftler fanden heraus, dass das so genannte Coxsackie-Virus eine Fehlentwicklung der körpereigenen Abwehr verursachen kann. Coxsackie-Viren verursachen eigentlich — vor allem bei Kindern — Atemwegserkrankungen. Ein bestimmter Eiweißbestandteil des Erregers ähnelt sehr einem Enzym, das die B-Zellen der Bauchspeicheldrüse bilden. Es nennt sich Glutaminsäuredecarboxylase — kurz GAD genannt. Die Funktion von GAD kennt man noch nicht, aber man weiß, dass die Antikörper nach einer Coxsackie-Infektion körpereigenes GAD angreifen. Die Folge: Auch die B-Zellen werden zerstört. Den Beweis für diese These sehen Forscher in der Tatsache, dass sie bei 80 Prozent der untersuchten Typ-1-Diabetiker Antikörper gegen GAD nachweisen konnten.
 
 

Wann ist ein Arzt aufzusuchen ?

Sobald Sie bemerken, dass irgendetwas nicht ganz in Ordnung ist, sollten Sie zum Arzt gehen. Je früher Diabetes diagnostiziert wird, desto besser. Viele Menschen leben bereits schon recht lange mit der Krankheit, ohne dass sie von der Zeitbombe wissen, die in ihrem Körper tickt. Erst bei massiven Problemen suchen sie den Arzt auf. Wird dann Diabetes festgestellt, haben sich meistens schon Folgeschäden zur eigentlichen Erkrankung gesellt. Bestätigen die Untersuchungen den Anfangsverdacht nicht, um so besser!
 
 

Diagnose

Der Arzt wird den Blutzucker bestimmen. Liegt er nüchtern über 120 Milligramm pro Deziliter, dann liegt ein Diabetes vor. Nach dem Essen gilt der Betroffene beim einem Wert von 180 Milligramm pro Deziliter als zuckerkrank.

Um ganz sicher zu gehen, entscheidet sich der Arzt bei Blutzuckerergebnissen im Grenzbereich in der Regel für den so genannten Glukosetoleranztest. Hierzu wird dem nüchternen Patienten zunächst Blut abgenommen. Danach erhält er 75 Milligramm Glukose, die in 300 Millilitern Wasser aufgelöst sind. Innerhalb von zehn Minuten muss er das Ganze langsam austrinken. 60 und 120 Minuten nach Trinkbeginn wird dann jeweils noch mal Blut abgenommen. Die so erhaltenen Blutzuckerwerte geben dann endgültig Aufschluss darüber, ob ein Diabetes vorliegt oder nicht.
 
 

Behandlung

Im Mittelpunkt der Diabetes-Behandlung steht das Insulin. Es gibt verschiedene Insulinsorten mit unterschiedlichen Wirkungsweisen.

Das schnelle Insulin (Mahlzeiten- oder Bolus-Insulin) wirkt schnell, aber nur kurz. Man verwendet es zu den Mahlzeiten. Langsames Insulin (Verzögerungs- oder Basis-Insulin) ist durch eine verzögerte Wirkung gekennzeichnet. Es wirkt dafür länger und findet für die Zeiten zwischen den Mahlzeiten und zum Beispiel zur Nacht Anwendung. In der Erprobungsphase befindet sich ein Kunstinsulin, das nur einmal täglich gegeben wird und dessen Wirkung über den gesamten Tag anhält.

Die Art der Diabetes-Therapie unterscheidet sich nach Typ-1- und nach Typ-2-Diabetes.

Typ-1-Diabetiker müssen ein Leben lang Insulin zuführen – und zwar per Injektion, also mit einer Spritze, denn ihr Körper kann kein eigenes Insulin mehr produzieren.

Etwas anders sieht dies beim Typ-2-Diabetiker aus. Wer zuviel Pfunde auf den Rippen hat, sollte zunächst abnehmen, um so die Insulinabwehr seines Körpers abzubauen. Dies und eine disziplinierte Ernährungsweise sowie viel Bewegung bringen mitunter schon eine ganze Menge. So muss nicht in jedem Fall gleich Insulin zugeführt werden. Im Anfangsstadium reicht oft die Einnahme von Tabletten. Nach einiger Zeit wirken sie jedoch häufig nicht mehr, so dass dann Insulin gespritzt werden muss. Niemand sollte die Behandlung mit Insulin so lange hinauszögern wie möglich.

Für Typ-1- wie für Typ-2-Diabetiker gilt gleichermaßen: Die Patienten müssen aktiv Verantwortung für den Umgang mit der Krankheit übernehmen. Sie sollten vertrauensvoll mit ihrem behandelnden Arzt zusammenarbeiten. Wer beizeiten lernt, selbstständig mit Medikamenten und Hilfsmitteln umzugehen, wird schnell ein weitgehend unbeeinträchtigtes Leben führen können.
 
 

Komplikationen

Eine lebensbedrohliche Situation für den Diabetiker kann die so genannte Hyperglykämie (Überzuckerung) darstellen. Die Nierenschwelle wird überschritten, Zucker über den Urin ausgeschieden. Mitunter bilden sich Ketonkörper, es kommt so zur indirekten Übersäuerung des Blutes. Das Ganze kündigt sich mit folgenden Beschwerden an:
  • starker Durst
  • häufiges Wasserlassen
  • Müdigkeit (man fühlt sich „abgeschlagen“)
Wadenkrämpfe, Nervenschmerzen in den Beinen, die Haut juckt, Wunden heilen schlecht, das Sehvermögen ist deutlich gestört, Sie nehmen ab, ohne es zu wollen - dies alles sind Zeichen der Diabetesentgleisung, die bis zum diabetischen Koma führen kann, wenn nichts dagegen unternommen wird. Das macht sich durch verschiedene Symptome bemerkbar:
  • Bauchschmerzen
  • Erbrechen und Übelkeit
  • Der Atem riecht nach Azeton
  • Tiefe, schwere Atmung
  • Glukose und Azeton im Urin
  • Der Blutzucker liegt bei über 250 mg/dl
In dieser Situation muss umgehend der Arzt verständigt werden. Vermeiden können Sie dieses Risiko dadurch, dass Sie regelmäßig Ihren Blutzucker kontrollieren. Dann bemerken Sie früh genug, wenn Handlungsbedarf besteht.

Ebenfalls gefährlich ist die so genannte Hyploglykämie, die Unterzuckerung. Der Blutzucker sinkt auf unter 50 mg/dl. Es gelangt nicht mehr genug Glukose in die wichtigen Organe. Normalerweise begleiten bestimmte Warnsignale diese Entwicklung. Bei einem lange bestehenden Diabetes sind sie jedoch schwächer ausgeprägt, fallen in einigen Fällen sogar ganz weg. Daher ist es sehr wichtig, auf alle Signale des eigenen Körpers zu horchen und bei Verdacht gleich zu reagieren. Die Hypoglykämie äußert sich in:
  • Hungergefühl,
  • zittrigen Händen und weichen Knien,
  • blasser Haut und blassem Gesicht,
  • Kopfschmerzen,
  • „torkeligem“ Gang,
  • Schwitzen,
  • verschwommenem Sehen,
  • Sprachstörungen,
  • abwesendem Verhalten.
Bemerken Sie an sich diese Zeichen, nehmen Sie umgehend einen Blutzuckertest vor. Bei Unterzuckerung müssen Sie dann so schnell wie möglich Kohlenhydrate zuführen, am besten Traubenzucker oder anderen Zucker. Cola und Fruchtsäfte sind ebenfalls geeignet. Körperliche Aktivitäten sollten Sie sofort einstellen.

Werden die beschriebenen Warnzeichen ignoriert, kann der Betroffene bewusstlos werden. Hierbei handelt es sich um den so genannten hypoglykämischen Schock oder Insulinschock. Das ist ein Fall für den Notarzt.

Ursachen für den hypoglykämischen Schock können unter anderem Erbrechen und Durchfall, Alkohol, das Auslassen einer Mahlzeit, hohe körperliche Belastung, zuviel Insulin oder ein gesunkener Insulinbedarf sein.

Zudem führt der Diabetes mellitus zu verschiedenen Spätfolgen wie dem diabetischen Fuß, Schädigungen des Sehvermögens, Nierenfunktionsstörungen usw. Dies lässt sich jedoch vermeiden, wenn der Diabetes so früh wie möglich optimal therapiert wird. Das jedoch setzt voraus, dass der betroffene Patient diszipliniert „mitarbeitet“.
 
 

Prävention

Sie können das Risiko, an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken, durch eine konsequente Änderung des Lebensstils senken. Übergewichtige sollten zum Beispiel ihr Übergewicht um mehr als drei Prozent senken. Sport treiben ist ebenfalls wichtig. Bewegen Sie sich an fünf Tagen der Woche mindesten 30 Minuten. Schnelle Spaziergänge oder auch Fahrrad fahren sind ideal. Bei der Ernährung sollten Sie darauf achten, dass der Fettanteil weniger als ein Drittel der Gesamt-Energiezufuhr ausmacht. Der Anteil der gesättigten Fette muss sogar unter zehn Prozent liegen. Damit Sie mit Ihrer Nahrung auch genug Ballaststoffe bekommen, empfiehlt es sich, täglich mindestens 25 Gramm Rohfaserprodukte zu sich zu nehmen.

Beim Typ-1-Diabetes ist die Sachlage auf Grund der anderen Ursachen etwas komplizierter. Eine Pilotstudie im New England Journal of Medicine liefert Anhaltspunkte dafür, dass die Behandlung mit einem modifizierten monoklonalen Antikörper einen beginnenden Typ-1-Diabetes stoppen oder zumindest den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen kann. Versuche, die Erkrankung durch regelmäßige subkutane Insulin-Injektionen aufzuhalten, gelten dagegen als gescheitert.
 
 

Was kann ich selbst tun ?

Der Verlauf eines Diabetes ist stark davon abhängig, wie gut ein Patient mitarbeitet. Ein zentraler Punkt ist die Ernährung. Dabei geht es nicht darum zu „hungern“. Die Diabetikerernährung unterscheidet sich im Prinzip nur wenig von der ausgewogenen Kost, die allen Menschen gut tut! Es geht um eine kaloriengerechte, vollwertige Mischkost. Leichter wird das Ganze, wenn Sie sich in dieser Hinsicht von professioneller Seite schulen lassen. Da wird auch das Thema „Broteinheiten“ – kurz BE – einfacher zu bewältigen sein. Die Broteinheiten sind ein Maß für die Berechnung der Kohlenhydratmenge für die Kost bei Zuckerkranken. Eine Broteinheit entspricht zirka zehn Gramm Kohlenhydraten. Das ist wichtig, denn, damit Insulinmenge und der genaue Kalorienbedarf exakt aufeinander abgestimmt werden können, muss der Diabetiker rechnen. Das ist die Voraussetzung für einen optimal „eingestellten“ Blutzucker. Aber keine Angst. Haben Sie sich erst einmal eingearbeitet, werden Sie mit dem Ganzen bald souverän umgehen können.

Zusätzlich zur Ernährung nimmt die Bewegung eine wichtige Rolle ein. Sie hilft dem Typ-2-Diabetiker bei der Gewichtsreduktion und macht rundum fit. Auch Typ-1-Diabetiker dürfen Sport betreiben. Sie müssen allerdings sehr darauf aufpassen, dass sie angesichts der körperlichen Belastung die richtige Insulinmenge spritzen.

Vergessen Sie auch nicht die Psyche. Gerade Stress bringt die Stoffwechsellage gern durcheinander. Daher ist es wichtig, für Entspannung zu sorgen. Forschen Sie auch nach den Ursachen von Stress, damit Sie sie langfristig gesehen beseitigen können.

Große Bedeutung kommt der Selbstkontrolle des Blutzuckers zu. Nur so wissen Sie, ob wirklich alles in Ordnung ist. Schließlich gilt es, Spätschäden ebenso zu vermeiden wie das diabetische Koma oder den hypoglykämischen Schock. Prüfen Sie daher so regelmäßig wie möglich, ob Ihr Blutzuckerspiegel wirklich so nah wie möglich an der Norm liegt.