Schilddrüsenunterfunktion

Was ist Schilddrüsenunterfunktion?

Eine Schilddrüsenunterfunktion, in der Fachsprache Hypothyreose genannt, bezeichnet einen Mangel an Schilddrüsenhormonen. Die Schilddrüse ist mit einem Gewicht von 25 bis 30 Gramm die größte Hormon bildende Drüse des menschlichen Körpers. Sie befindet sich im vorderen Halsbereich unterhalb des Kehlkopfes und seitlich der Luft- und Speiseröhre. Da die Schilddrüse bei einer Unterfunktion weniger oder keine Hormone produziert, laufen alle Stoffwechselvorgänge des Körpers verlangsamt ab.

Dabei konnte bewiesen werden, dass ungefähr jeder hundertste Mensch unter der Form der erworbenen Schilddrüsenunterfunktion leidet. Frauen sind viel häufiger betroffen als Männer. Die Erkrankung wird in dem meisten Fällen ab dem 40. Lebensjahr entdeckt. Es wird zwischen angeborenen und erworbenen Unterfunktionen unterschieden.

Von 2.500 bis 3.500 Neugeborenen leidet eines unter einer angeborenen Unterfunktion der Schilddrüse.
 
 

Symptome

Durch eine Unterfunktion der Schilddrüse machen sich nach und nach mehrere Symptome bemerkbar, da alle Organe des Körpers betroffen sind. Grundsätzlich verlangsamt sich der innere und äußere Lebensrythmus des Patienten: Müdigkeit, Leistungs- und Konzentrationsschwäche, Desinteresse, Kälteempfindlichkeit und Verstopfung.

Ist der Hormonmangel durch die Unterfunktion der Schilddrüse schon sehr weit ausgeprägt, machen sich außerdem Appetitsverlust, Gewichtszunahme, trockene und kühle Haut, heisere und tiefe Stimme, kraftloses Haar, Herzvergrößerung, niedriger Puls und Zyklusstörungen bemerkbar.

Ältere Patienten leiden meist nur unter einer Leistungsschwäche, deren Ursache leider oft nicht erkannt wird. Neugeborene zeigen nach der Geburt Trinkschwäche, Bewegungsarmut und Verstopfung. Später folgen Wachstumsrückstände sowie eine gewisse geistige Unfähigkeit.
 
 

Ursachen

Eine Schilddrüsenunterfunktion ist oftmals die Folge einer chronischen Entzündung der Schilddrüse. Liegt diese vor, bildet der Körper Antikörper gegen das eigene Schilddrüsengewebe. Dabei wird es zerstört und kann nicht mehr genügend Hormone bilden. Warum sich die Antikörper bilden, ist jedoch nicht bekannt.

Die Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion kann auch eine vorher stattgefundene Operation an der selbigen sein. Die Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion (medikamentös oder operativ) kann zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen.

Als angeborene Ursachen der Hypothyreose finden sich neben Entwicklungs- und Anlagestörungen des Schilddrüsenorgans auch Störungen der Jodverwertung in der Schilddrüse sowie Jodmangel in der Schwangerschaft.

Eine Hypothyreose kann ebenso durch einen Jodmangel entstehen. Deutschland ist ein Jodmangelgebiet. Daher enthalten Pflanzen, Fleisch und Milchprodukte nicht genügend Jod, um den Einzelbedarf abzudecken.

 
 

Wann ist ein Arzt aufzusuchen?

Eine Schilddrüsenunterfunktion muss gewissenhaft behandelt werden, um Spätfolgen zu vermeiden.

Wenn erste Anzeichen der Krankheit bemerkt werden, zu denen zum Beispiel Müdigkeit, Leistungs- und Konzentrationsschwäche sowie Verstopfung gehören, ist ein Arztbesuch ratsam.

Auch wenn bereits Knoten zu ertasten sind, ist ein Arzt darauf aufmerksam zu machen. Er kann eine nötige Therapie einleiten.

Wenn zusätzliche Hormone zur Regulierung der Schilddrüsenunterfunktion einzunehmen sind, ist eine regelmäßige Kontrolle der Hormonkonzentration im Blut wichtig.
 
 

Diagnose

Der erste Schritt bei einer Untersuchung ist ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten (Anamnese). Dabei ist es für den Arzt wichtig zu erfahren, ob Operationen stattgefunden haben. Natürlich befragt er Sie auch zu Ihren vorhandenen Beschwerden und einer bestehenden Medikation.

Nach dem Gespräch wird mit einer gründlichen körperlichen Untersuchung begonnen. Wenn eine Schilddrüsenerkrankung kaum mehr ausgeschlossen werden kann, folgt eine Untersuchung des Blutes zur Bestimmung der Hormone. Gegebenenfalls können auch Schilddrüsen-Antikörper bestimmt werden.

Die Größe der Schilddrüse wird durch eine Ultraschalluntersuchung festgestellt. Dabei werden auch eventuell vorhandene Veränderungen des Gewebes (Knoten, Zysten) sichtbar.

Wenn der Arzt an der Schilddrüse Knoten bemerkt hat, folgt eine Szintigraphie. Dabei wird ein radioaktiver Stoff gespritzt oder geschluckt, welcher etwa nach 20 Minuten mit einer speziellen Kamera sichtbar gemacht wird. Mit Hilfe dieser Methode können weitere Knoten festgestellt werden.

Muss eine Gewebeprobe zur weiteren Untersuchung im Labor entnommen werden, geschieht dies mit Hilfe der Feinnadelpunktion (Biopsie). Dabei wird eine hohle Nadel eingeführt, die etwas Gewebe der Schilddrüse aufsaugt.

Bei Neugeborene erfolgt prinzipiell am fünften Lebenstag ein Test auf eine Schilddrüsenunterfunktion. Dabei entnimmt der Arzt einige Blutstropfen aus der Ferse.
 
 

Behandlung

Eine Schilddrüsenunterfunktion wird lebenslang medikamentös behandelt. Diese Therapie erfolgt durch die Gabe von künstlichen Stoffwechselhormonen. Zunächst wird mit einer niedrigen Dosis begonnen, welche stufenweise erhöht wird. Wenn die gewünschte Dosis erreicht ist, braucht der Patient nur noch einmal im Jahr seinen Stoffwechsel überprüfen zu lassen.

Die Behandlung dient dem Ausgleich der Mangelerscheinung und der Wiederherstellung eines normalen Stoffwechsels. Es ist hilfreich, dass die Therapie mit diesen Medikamenten einfach auszuführen, gut verträglich und sehr wirksam ist.

Auch wenn die Krankheit angeboren ist, kann medikamentös behandelt werden. Die bereits entstandenen geistigen Entwicklungsschäden können jedoch nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Bei Jodmangel empfiehlt sich die Einnahme jodhaltiger Präparate. Halten Sie ihre Behandlungsmaßnahmen genau ein, können Sie ein völlig normales Leben führen.
 
 

Komplikationen

Ein großes Problem stellt eine Schilddrüsenunterfunktion für Kinder dar. Leiden sie unter der angeborenen Form der Krankheit und werden Sie nicht behandelt, kann Schwachsinnigkeit (Kretinismus) die Folge sein. Die üblichen Spätfolgen einer Erkrankung im Kindesalter sind Sprach- und Koordinationsstörungen, Antriebsarmut, Stimmungslabilität und eine allgemeine Ungeschicklichkeit als Folge einer gestörten Entwicklung des Gehirns.

Eine nicht ausreichend oder gar nicht behandelte Hypothyreose kann in jedem Lebensalter zum Koma führen. Zusätzliche Auslöser sind meist eine schwere Infektion, ein Unfall, eine Narkose oder gewisse Medikamente.
 
 

Prävention

Einer Schilddrüsenunterfunktion kann nicht vorgebeugt werden. Die Therapie der Krankheit ist einfach und effektiv, daher muss sie von den Patienten genauestens eingehalten werden, was einen Rückfall der Krankheit verhindert.

Da auch Jodmangel ein Auslöser der Krankheit ist, ist es wichtig, jodhaltige Lebensmittel zu verwenden. Dazu gehört zum Beispiel Seefisch oder jodhaltiges Salz. Der sicheren Zuführung von Jod, dient die zusätzliche Einnahme von Jodpräparaten.
 
 

Was kann ich selbst tun?

Bei einer bestehenden Schilddrüsenunterfunktion, sollten Patienten darauf achten, ihre vom Arzt verschriebenen Medikamente regelmäßig einzunehmen. Auch Kontrollbesuche beim Arzt sind einzuhalten.

Ruhepausen und Anstrengungen sind gleichzeitig über den Tag zu verteilen. Dabei ist auch auf eine gesunde und vitaminreiche Ernährung zu achten.

Grundsätzlich ist die Aufnahme von Jod zu beachten. Meeresfisch oder jodhaltiges Salz zum Beispiel, sind gute Jodlieferanten. Zusätzlich können jodhaltige Präparate eingenommen werden.