Magersucht (Anorexia nervosa)

Was ist Magersucht?

Die Magersucht, Anorexia nervosa genannt, ist eine krankhafte Essstörung. Sie betrifft meist Mädchen und junge Frauen, wobei auch fünf Prozent der Männer betroffen sind. Bei dieser Erkrankung halten die jungen Patienten eine straffe Diät, um rasch Gewicht zu verlieren. Oftmals verweigern sie die Nahrung total und leiden unter einer Wahrnehmungsstörung ihres Körpers. Eine derartige Erkrankung beginnt häufig nach dem Einsetzen der ersten Regelblutung. Es wurde untersucht, dass ungefähr ein Prozent aller Frauen im Alter von 15 bis etwa 25 Jahren in den westlichen Ländern unter dieser Krankheit leiden.
 
 

Symptome

Bei einer Magersucht kommt es zu verschiedenen Symptomen. Die Krankheit führt bei anorektischen Patientinnen zu Wahrnehmungsstörung des eigenen Körpers. Essen bestimmt ihr Leben. Die Gedanken kreisen um fast nichts anderes mehr. Um den Verlust des Gewichtes zu erreichen (manche der Betroffenen hungern sich auf 30 Kilogramm herunter), werden auch Abführmittel oder Appetitzügler eingesetzt. Dies geschieht meist, wenn rein sportliche Betätigung nicht mehr ausreicht.

Durch die Mangelernährung kann es zu schweren körperlichen Beeinträchtigungen kommen. Häufig führt sie, durch Störungen der Hormone, zum Ausbleiben der Regelblutung. Dadurch kann die körperliche Entwicklung des Mädchens verzögert werden. Auch Symptome wie niedriger Blutdruck, Muskelschwäche, Verlangsamung des Herzschlages oder Haarausfall können auftreten.

Da das Verlangen, immer dünner zu werden, an erster Stelle steht, löst Nahrungsaufnahme geradezu Angst bei anorektischen Patientinnen aus. Somit kontrollieren diese ihr Essverhalten noch stärker, was zu einer Ausweglosigkeit der Situation führen kann. Depressionen können die Folge sein.
 
 

Ursachen

Bei der Entstehung einer Magersucht spielen verschiedene Einflüsse eine Rolle. Biologische und psychologische Faktoren kommen genauso in Frage, wie gesellschaftliche.

Vermutet wird, dass bei einem biologischen Grund die Magersucht als Folge einer Funktionsstörung des Gehirnes auftritt.
Entwickelt sich ein Mädchen zur Frau, kann Überforderung und Unsicherheit entstehen. Das Kontrollieren des Gewichtes gibt vielen Mädchen eine gewisse Sicherheit im Umgang mit ihrem Körper. Auch in den Familien der Betroffenen werden häufig gewisse Auffälligkeiten erkannt. Viele Angehörige reagieren auf die frauliche Entwicklung ihres Kindes mit Überbehütung. Zwiespälte sind dagegen meist tabu.

Etwa seit 40 Jahren ist ein bestimmtes Schönheitsideal im Umlauf, welches einen möglichst schlanken Körper fordert. Bei Frauen ist Übergewicht allgemein sehr schlecht angesehen. Auch die Werbung konfrontiert junge Mädchen täglich mit schlanken Körpern.
 
 

Wann ist ein Arzt aufzusuchen?

Bemerken Sie, dass ihr Kind rasch Gewicht verloren hat und sich trotzdem noch zu dick fühlt, sollten Sie eine beginnende Magersucht nicht ausschließen. Da es bei dieser Erkrankung zu schweren körperlichen Beeinträchtigungen kommen kann, darf der Gang zu einem Arzt nicht lange hinausgezögert werden.

Ist die Erkrankung zu spät erkannt worden und bereits chronisch, schlägt der Arzt generell eine Therapie vor, um das rasche Gesunden des Patienten zu ermöglichen.
 
 

Diagnose

Hat die Patientin erkannt, dass sie ärztliche Hilfe benötigt und einen Arzt aufgesucht, untersucht dieser zunächst alle Organe, die für einen Gewichtsverlust verantwortlich sein können. Kann er organische Ursachen ausschließen, klärt er die Patientin über die Gefahren einer Magersucht auf.
 
 

Behandlung

Liegt das Gewicht der Patientin unter 75 Prozent des Normalgewichtes oder ist die körperliche Verfassung lebensbedrohlich, sollte eine Behandlung fürs Erste im Krankenhaus stattfinden. Liegt eine solche Schwere der Erkrankung vor, muss der Betroffenen über Infusionen Nährstoffe erhalten. Ansonsten empfiehlt sich die Therapie bei einem mit der Symptomatik vertrauten Arzt, begleitet durch eine Psychotherapie.

Während der Therapie sollte die Patientin erfahren, dass Schlankheit nicht mit Erfolg und Glück im Zusammenhang steht. Eine körperorientierten Therapie sollte ein angemessenes Gefühl für den Körper vermitteln. Auch die Aufarbeitung seelischer Probleme, mit dazugehörigen Lösungsalternativen, sollte besprochen werden. Eine familienorientierte Psychotherapie sensibilisiert die Familie gemeinsam mit der Patientin für das gestörte Essverhalten. Angehörigen erleichtert dies den Umgang mit ihrem kranken Kind.

Leidet der Betroffene unter depressiven Verstimmungen oder unter zwanghaftem Verhalten, kann neben Psychotherapie eine Behandlung mit Medikamenten, in dem Fall Antidepressiva, nötig sein. Grundsätzlich kann die Behandlung einer Magersucht mehrere Jahre dauern.
 
 

Komplikationen

Eine der häufigsten Komplikationen im Verlauf einer Magersucht ist Entwicklung einer chronischen Erkrankung. Durch einen andauernden Zustand des Hungerns kann eine Osteoporose, das heißt, ein Abbau der Knochensubstanz, auftreten. Auch Beeinträchtigungen an Gehirn, Herz, Leber und Nieren sowie eine Hemmung der Entwicklungsstörung sind mögliche Begleiterscheinungen der Anorexie.

Neben Depressionen und Gedanken an Selbstmord kommt es oftmals auch zu einem Gefühl der Selbstüberschätzung, da es anorektische Patienten mit Stolz erfüllt, das Hungergefühl überwunden zu haben.

Die Erkrankung ist mit einem hohen Sterberisiko verbunden, jedoch zeigt sich bei etwa 30 Prozent der Betroffenen eine vollständige Gesundung. Bei etwa 25 Prozent der Patientinnen bleibt die Erkrankung chronisch erhalten und etwa zehn Prozent überleben sie nicht.

Nach einer erfolgreichen Therapie, das heißt Gewichtsnormalisierung, bleibt ein verfälschtes Denken zu Gewicht und Figur häufig erhalten.
 
 

Prävention

Zur Vorbeugung einer Erkrankung wie der Magersucht sollten Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder darauf achten, ihr Selbstbewusstsein zu stärken. In Gesprächen können Sie versuchen, ihnen ein positives Verhältnis zu ihrem Körper und dessen Veränderungen, welche im Laufe der Jahre eintreten, zu ermöglichen.

Grundsätzlich ist Streit am Tisch zu vermeiden. Kinder und Jugendliche sollten nicht dazu gezwungen werden, etwas bestimmtes oder bestimmte Mengen zu essen.
 
 

Was kann ich selbst tun?

Bei ersten Anzeichen einer Magersucht sollten Jugendliche, auch Jungen, einen Arzt aufsuchen. Treten auf einmal unkontrollierter Heißhunger und übermäßige Geldausgaben für kalorienreduzierte Lebensmittel auf, kann dies schon ein Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung sein.

Betroffene sollten versuchen, sich jemandem anzuvertrauen. Die Patienten sollten aber auch angesprochen werden, da sie auf Grund einer Wahrnehmungsstörung ihre Krankheit oftmals gar nicht als Problem erkennen.

Ganz wichtig ist Aufklärung durch Informationsmaterial des Arztes oder Apothekers sowie Austausch mit anderen Betroffenen. Wichtig ist die Pflege von sozialen Kontakten, da sich die Patienten nicht isolieren sollten. Auch eine stärkere Einbindung in die Familie kann hilfreich sein.