Demenz

Was ist Demenz?

Demenz leitet sich vom lateinischen Dementia ab und bedeutet „weg vom Geist“ oder „ohne Geist“. Es geht also um den Verlust der geistigen Fähigkeiten des Demenz-Kranken, den Verlust der meisten oder gar all seiner während des Lebens erworbenen Fähigkeiten.
Doch Demenz ist nicht gleich Demenz – unterschiedliche Formen führen zum gleichen Ergebnis, dem Verfall der Persönlichkeit des Betroffenen. Den primären degenerativen Demenzen stehen die so genannten sekundären Formen gegenüber. Letztere sind Folgeerscheinungen anderer Grunderkrankungen und besser zu behandeln, manchmal sogar heilbar. Eine ursächliche Therapie der primären degenerativen Demenzen ist dagegen derzeit nicht möglich. Dabei stellen sie 90 Prozent der Demenzerkrankungen. Hier wiederum überwiegt nach klinischen, neuropathologischen und epidemiologischen Studien die Alzheimer Demenz mit 50 bis 60 Prozent. 15 bis 20 Prozent der Demenzen sind durch Gefäßerkrankungen bedingt (vaskulärer Typ).
 
 

Symptome

Schon recht früh, meist im Alter von 60 bis 70 Jahren, macht sich eine allmähliche Verschlechterung des Kurzzeitgedächtnisses bemerkbar. Das Tückische daran ist, dass nicht unbedingt jede kleine „Schusseligkeit“ auf das Konto einer beginnenden Demenz geht. Erst wenn sich Anzeichen wie Sprachstörungen zu einem merklichen Verlust der Konzentrations- und Denkfähigkeit gesellen, konkretisiert sich der Verdacht. Der Betroffene leidet unter Wortfindungsstörungen und verwechselt Begriffe. Er ist müde und antriebslos. Oft entsprechen die Symptome zu Beginn einer Depression. Es kann im Verlauf des Leidens auch zu Halluzinationen kommen. Der Demenzpatient raucht eine imaginäre Zigarette, sieht Gestalten vor seinem Bett oder hört Stimmen.

Im fortgeschritteneren Stadium der Krankheit erkennt er Menschen, oft seine nächsten Angehörigen oder seinen Partner, nicht mehr. Die täglichen Verrichtungen wie Anziehen, Körperpflege, Kochen und Einkaufen kann er nicht länger selbst erledigen. Er ist nun rund um die Uhr auf Betreuung angewiesen. Schließlich ist er bettlägerig und der Fähigkeit zur Kommunikation beraubt.
 
 

Ursachen

Die Ursachen einer Demenz sind vielfältiger Natur. Der wohl häufigste Auslöser ist Morbus Alzheimer, der bestimmte Veränderungen im Gehirn zur Folge hat. Ablagerungen aus Eiweißbruchstücken verhindern zunächst, dass die Nervenzellen in den Hirnregionen, die für das Gedächtnis, die Sprache und das Denken zuständig sind, ihre Impulse untereinander austauschen können. Dann sterben diese Nervenzellen ab. Der Patient verliert nach und nach seine geistigen Fähigkeiten.

Als zweithäufigste Demenzform gilt inzwischen die Demenz mit Lewy-Körperchen. Lewy-Körperchen sind Einschlusskörperchen aus abnormalen Neurofilament-Proteinen, also aus abnormalen Eiweißstoffen, die sich in bestimmten Strukturen der Nervenzellen befinden. Je nachdem in welchem Teil des Gehirns sie sich lokalisieren lassen, lösen sie verschiedene Leiden wie die Parkinson'sche Krankheit oder kognitive Fehler und Psychosen aus.

Grundsätzlich kann jede Veränderung im Gehirn eine Demenz zur Folge haben, das gilt auch für bestimmte Erkrankungen. Gerade Durchblutungsstörungen können sich negativ auf die Leistungsfähigkeit des menschlichen Geistes auswirken. Diese so genannte vaskuläre Demenz führt ganz plötzlich zu einer rapiden Verschlechterung der Hirnleistung. Zeichen eines Schlaganfalls wie Sprachstörungen sind typisch für das Leiden. Auch Stoffwechselstörungen wie Schilddrüsenerkrankungen oder Vitamin-B12-Mangel oder chronische Vergiftungen wie Alkoholmissbrauch, aber auch Gehirntumoren, die sich in bestimmten Gehirnarealen ausbreiten und Infektionen wie Aids, Meningitis oder Creutzfeld-Jakob verursachen eine Demenz.

Ist die Erkrankung behandelbar, kann mit ihrer Therapie von Fall zu Fall auch die Demenz beseitigt werden. Doch es gestaltet sich mitunter schwierig, die Ursache einer Demenz herauszufinden, können doch zuweilen mehrere Auslöser für die Erkrankung verantwortlich sein. So stehen Bluthochdruck (Hypertonie) und Diabetes mellitus hinter mancher Schädigung der Hirngefäße und damit auch hinter einer vaskulären Demenz.
 
 

Wann ist ein Arzt aufzusuchen?

Je früher eine Demenz behandelt wird, desto besser. Auch wenn es sich um eine Demenzform handelt, die nicht heilbar ist, so geht es doch darum, den Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit so lange herauszuzögern wie möglich.

Sobald Sie oder Ihre Angehörigen spüren, dass sich Ihre geistige Leistungsfähigkeit deutlich verschlechtert hat, sollten Sie daher einen Arzt konsultieren.
 
 

Diagnose

Zunächst einmal wird der behandelnde Arzt den Patienten und von Fall zu Fall auch seine Angehörigen nach der Krankheitsgeschichte fragen (Anamnese). Denn mitunter nehmen die Patienten verschiedene Symptome selbst gar nicht richtig wahr, oder sie schämen sich ihrer derartig, dass sie sie lieber verschweigen.

Nicht einfach ist es, eine beginnende Demenz von „normaler“ Vergesslichkeit abzugrenzen. Dabei helfen verschiedene neurospychologische Tests, mit deren Hilfe man den Schweregrad der Vergesslichkeit einordnen kann. Dabei muss das depressive Syndrom von der Demenz abgegrenzt werden, das ebenfalls Gedächtnisstörungen verursacht, mit einer Demenz jedoch nichts zu tun hat. Mit Hilfe weiterer Untersuchungen gilt es außerdem, andere psychische, internistische und Gefäßerkrankungen herauszufinden, die eventuell eine Demenz auslösen können. Kennt man sie, so kann ihre Behandlung bisweilen eine Demenz beseitigen oder doch zumindest den Status quo erhalten.

Besteht der Verdacht auf strukturelle Störungen im Gehirn, wie sie zum Beispiel Morbus Alzheimer hervorruft, können Bild gebende Verfahren die Diagnose unterstützen. Recht aussagekräftig sind die Single-Photon-Emmissions-Tomographie (SPECT) und die Positronen-Emmissions-Tomographie (PET). Bei der SPECT-Untersuchung bekommt der Patient eine sehr schwach radioaktiv markierte Substanz in eine Vene gespritzt, die rasch durch die Blut-Hirn-Schranke in das Gehirn gelangt und sich dort ohne weitere Umverteilung an Nervenzellen anheftet. Die dann mess- und darstellbare Verteilung des Stoffes zeigt eine Momentaufnahme von Durchblutung und Stoffwechsel des Gehirns. Die PET ist ein nuklearmedizinisches Schnittbildverfahren, mit dem die Stoffwechselvorgänge im Körper untersucht und dargestellt werden können. Ringförmig angeordnete Detektoren messen nach der Injektion einer geringen Menge radioaktiv markierter Substanz die aus dem Körper austretende Strahlung. Beide Verfahren zeigen eine Verminderung der Durchblutung und des Stoffwechsels in bestimmten Bereichen des Gehirns an. Allerdings werden sie nicht überall routinemäßig eingesetzt.
 
 

Behandlung

Die meisten Demenzerkrankungen kann man derzeit nicht heilen. Lediglich ein Verlangsamen des Abbaus der geistigen Leistungskraft ist möglich. Es sei denn, dass die Ursache der Demenz eine behandelbare Grunderkrankung ist, in diesen Fällen kann mit der Behandlung jener Grunderkrankung auch die Demenz ursächlich therapiert werden.

Ziel bei der Behandlung einer Demenz ist es, unabhängig von der Ursache, den Betroffenen dabei zu helfen, so lange wie es geht, ihren Alltag selbstständig bewältigen zu können. Hierzu zählt in erster Linie ein spezielles Hirnleistungstraining, das Psychologen, Sozialarbeiter oder andere Fachleute mit den Patienten ausführen. Krankengymnasten und Ergotherapeuten (Beschäftigungstherapeuten) unterstützen diese Arbeit.
Bei Demenz, die auf Grund struktureller Veränderungen im Gehirn entstehen, können zudem Medikamente eingesetzt werden – am besten jedoch im Rahmen einer ganzheitlichen Therapie, die auch ein Hirnleistungstraining umfasst. Die Arzneien wirken im zentralen Nervensystem, und zwar auf die Stoffe Acetylcholin und Glutamat. Acetylcholin ist ein Botenstoff für die Informationsübertragung zwischen bestimmten Nerven und zwischen Nerven und Muskeln. Ist der Vorgang abgeschlossen, wird Acetylcholin von einem bestimmten Enzym (Acetylcholinesterase) wieder abgebaut, um den Weg für eine neue Informationsübertragung zu räumen. Alzheimer-Patienten mangelt es jedoch an Acetylcholin, was die Symptome der Demenz-Erkrankung zum Teil erklärt. Hier setzt die medikamentöse Therapie an: Bestimmte Stoffe (Acetylcholinesterasehemmer) hemmen den Abbau von Acetylcholin, um den Acetylcholinmangel auszugleichen.

Glutamat ist für die Lern- und Gedächtnisvorgänge verantwortlich. Zu 70 Prozent befindet es sich in den Nervenzellen. Im Zuge von Morbus Alzheimer wird zu viel Glutamat ausgeschüttet. Dies führt zur Zerstörung von Nervenzellen. Bestimmte Substanzen, so genannte Memantine, bewahren die Nervenzellen vor Zerstörung und verbessern darüber hinaus ihre Funktionen. Die nachgeschalteten Zellen können die ausgesandten Signale besser wahrnehmen. Dienen die Acetylcholinesterasehemmer der Behandlung der leichten bis mittelschweren Alzheimer-Demenz, so sind die Memantine zur Behandlung der mittelschweren, aber auch der schweren Alzheimer-Krankheit zugelassen.

Eingesetzt werden kann außerdem Nimodipin. Die Substanz soll das neuronale Kalziumgleichgewicht, das bei Morbus Alzheimer gestört ist, wieder normalisieren. Zum Einsatz gelangen außerdem Stoffe, die die Fließeigenschaften des Blutes verbessern, so dass mehr Sauerstoff und Glukose in das Gehirn gelangen.

Gelegentlich ist auch die Gabe von Medikamenten gegen Unruhe, Schlafstörungen oder parkinsonähnliche Bewegungsstörungen sinnvoll. Allerdings muss dies mit Vorsicht geschehen, denn bei manchen Formen der Demenz können Präparate gegen Unruhe dieses Symptom noch verstärken oder aber schwere Nebenwirkungen hervorrufen.
 
 

Komplikationen

Die Betroffenen verändern infolge ihrer Erkrankung ihre Persönlichkeit. Sie werden aggressiv oder enthemmt, depressiv oder sprunghaft in ihren Stimmungen. Dies erschwert den Angehörigen, aber auch den Pflegern den Umgang mit diesen Patienten.
 
 

Prävention

Bestimmten Formen der Demenz wie dem Morbus Alzheimer kann man nicht vorbeugen. Anderen lässt sich dagegen mit Hilfe einer gesunden Lebensweise entgegenwirken. Hierzu zählen die vaskuläre Demenz oder aber auch die alkoholbedingte Demenz.
 
 

Was kann ich selbst tun?

Viele Demenzkranke in Deutschland werden von Familienangehörigen gepflegt. Das ist eine große Aufgabe, bei der sich die Pflegenden nicht selbst überfordern sollten – im Interesse des Kranken. Nehmen Sie deswegen jede Hilfe an, die sich Ihnen bietet. Das können ergänzende Angebote von Sozialstationen und Tagesstätten ebenso sein wie Selbsthilfegruppen, in denen Sie von den Erfahrungen gleichfalls Betroffener profitieren. Erkundigen Sie sich beim Arzt nach Broschüren und anderem hilfreichen Infomaterial.

Lassen Sie dem Demenz-Patienten eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung zukommen. Wichtig ist vor allem die ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit. Denn Flüssigkeitsmangel führt zu einer rapiden Verschlechterung der Symptome.